Donnerstag, 10. Februar 2011

Le Krak Des Chevaliers

Nach unserem vormittäglichen Erholungsschlaf ziehen wir ins Restaurant La Table Ronde, das direkt neben der Burg liegt. Wir stehen auf dem Parkplatz hinter dem Restaurant, haben warme Duschen, Strom - und damit Heizung, es ist hier auf 800m Höhe und den Libanon in Sichtweite doch recht kühl und feucht - und einen sensationellen Blick auf den Krak des Chevaliers (Krak-Info), die besterhaltene Kreuzritterburg der Welt.

Der Krak im Morgennebel
Da wir Zeit haben, und das Wetter heute wirklich unfreundlich ist, vertagen wir die Burgbe-sichtigung auf morgen und richten uns nach einer Einkaufstour im Dorf (Brot wieder geschenkt!, leckere Fallafel probiert, Eier, Gemüse usw. billig im dunklen Market, da dorfweit Stromausfall) im Eumel häuslich ein. Die News aus Ägypten sind ein wenig beunruhigend, aber da wollen wir ja eigentlich auch nicht hin. Dieses Nicht-Wollen ist natürlich nur durch die krassen Einreisebestimmungen und den absoluten Bürokratieoverkill für Individualreisende bedingt, weil die Pyramiden uns so, naja, vergessen wir das. Später folgen noch Ersthanderfahrungen von Wüstentravellern, aber heute werden wir per Telefon und SMS ferninformiert, da wir sonst keine Nachrichtenlage haben.

Natürlich gibt es auch Überlegungen, die arabische Welt wieder zu verlassen, aber bisher gibt es noch keine Anhaltspunkte, dass Syrien irgendwie betroffen ist. Am nächsten Morgen vergessen wir bei strahlender Sonne sowieso alle Bedenken, und machen uns auf zur Beischtigungstour. Interessanterweise scheinen alle Sights in Syrien 150 Pfund - rund 3 Dollar- Eintritt zu kosten, für Syrer aber nur 15, was solls.  

Tja, was solls?
Dann der Krak, innen wie aussen wirklich gut in Schuss, da er nicht nur der relativ kurzen Kreuzfahrerepisode gedient hat, sondern auch von Arabern, Mamelukken und später den Osmanen gedient hat. Strategisch ist er wohl gut gelegen, aber auch von unseren Eindrücken her grossartig.
Hauptburg
Wir streunen lange durch Gänge, Säle und über die Zinnen, dabei stossen wir uns häufiger mal die Schienbeine an, wenn ihr mal hinkommt, Taschenlampe nicht vergessen!

Im Krak
Hier in Syrien hat die Reise jetzt irgendwie Standardtouri-Charakter bekommen, da wir aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten eumeln. Denoch beneiden wir die anderen nicht, die per Bus mal hier mal dorthin gekarrt werden, kurz raus, Beischtigunstour, Fotos, Souvenirs und weiter...wir haben doch deutlich mehr Zeit.
Am Abend speisen wir im Table Ronde, und zu Hummus, Tabouleh und Lammspiessen gibt es einen wirklich hervorragenden libanesischen Rotwein - Chateau Ksara - der erste gute seit Monaten. Als nächstes Ziel haben wir uns Palmyra ausgesucht, wir wollen jetzt endlich mal in die Wüste.

Am nächsten Morgen sind wir zeitig auf der Piste, und freuen uns wieder auf der guten alten Adventure Drive-Strecke zu sein, wobei durch die Lage in Ägypten und Sudan der Weg nach Südafrika derzeit wohl extra adventurous ist...

Tendenziell Richtig
Zunächst müssen wir an Homs vorbei, einer grösseren Stadt, die innerhalb von Syrien den Status von Ostfriesland geniesst, gleichzeitig soll es hier aber auch die hübschesten Frauen Syriens geben. Wir sehen erstmal eine Ölraffinerie, falls die lieben Ex-Kollegen da mal wegen Prozessoptimierung vorstellig werden wollen...

Kundschaft?
Aus Versehen landen wir dann mitten in Homs, wobei man mir jetzt Absicht unterstellen könnte, wegen den Legenden, aber Frauen - insbesondere im noch heiratsfähigen Alter - sieht man in den Strassen sowieso nicht, dafür aber auch keine englischen Beschilderungen mehr, was die Weiterreise etwas chaotisch gestaltet.

Lost In Homs
Wir zuckeln so aus Versehen zweimal quer durch die Innenstadt, und schnappen ein bisschen Homser Alltagsleben auf.

Les Hommes d'Homs
Durch das ganze Rumgeeiere steht die Tanknadel plötzlich bedrohlich niedrig und ausgerechnet jetzt lernen wir, dass die Dieselversorgung auch in der Nachbarschaft einer Raffinerie nicht an allen Tanken gegeben ist. Mit zunehmender Nervosität klappern wir vier Tankstellen ab, bis uns endlich und gerade noch rechtzeitig geholfen wird. Jetzt werden auch die Reservekanister gefüllt, schliesslich geht es jetzt strack in die Wüste.

Endlich!
Richtung Palmyra, wir haben die richtige Strasse gefunden, und die Landschaft ändert schnell ihr Gesicht. Alles wird zunehmend ockerfarben.

Field Hut

Wir freuen uns, nach knapp 6 Monaten Reisezeit zum erstenmal in der Wüste zu sein. Andere schaffen das mit dem Fahrrad vielleicht schneller...

This is Hardcore!
 Es wird einsam, ab und zu zweigen Stichstrassen bzw. Pisten zu irgendwelchen Öl- und Gasförderungen ab, wir passieren eine Militärstation wo altertümliche Radarwagen ihre Antennen munter drehen. Die Sonne scheint, und die Wüste zeigt ihr schönes Gesicht, endlich eine Ahnung des Nichts, nach der ziemlich heftigen Zersiedlung der Küstenregion Syriens.

Desert Road
Dann kommt die letzte Abzweigung, Schilder Richtung Iraq und Bagdad lassen einen wehmütig werden, es soll wohl mal Zeiten gegeben haben, als irgendwelche Freaks in VW Bullys locker da rüber geschippert sind, die Welt ist verdammt eng geworden. Nix Bagdad, links nach Palmyra.

Crossroads
Dann kommt die Zitadelle in Sicht, ockerfarben auf einem ockefarbenen Hügel, Palmyra ist erreicht. Über eine breite Strasse rollen wir ein, links und hinten der neue Ort und rechts ein riesiges Ruinengebiet. Wir fahren mittenrein. Umrundet von wirklich schönen alten Steinen werden wir schnell von einem Einheimischen aufgetan, der uns zielstrebig zu einem kleinen Camp führt, direkt am Baaltempel, was für ein cooler Standplatz!

Ankunft in Palmyra
Und weil Palmyra so schön ist, bekommt es natürlich ein Extrablog, in Kürze...

Dienstag, 8. Februar 2011

The Oriental Touch

Die Einreise nach Syrien, ein...
...knochentrockenes Geschäft!
Natürlich haben wir es dann doch geschafft, naja, so natürlich dann auch wieder nicht. Die Ausreise aus der Türkei gestaltete sich erwartungsgemäss simpel, und nach knapp fünfzehn Minuten standen wir vor der ersten von drei syrischen Schranken.

Linkerhand das Immigration Center, ein grosser kühler Raum mit zwei langen marmornen Tresen, einer für die Ein- und einer für die Ausreise. Überall grosse Porträts des Herrn Präsidenten, manchmal auch im Doppelpack mit dem verstorbenen Vater. Wir schreiten lächelnd und mit einem Salem Aleikum auf den Lippen auf den Einreiseschalter zu, wo ein eigentlich ganz nett aussehender Herr mittleren Alters mit breiten hellblauen Schulterklappen und drei Sternen auf dem Ärmel uns mit einem süsssauren, gelangweilten Blick grusslos empfängt.

Seine erste Frage gilt erwartungsgemäss unserem Visum und als wir verneinen, wird uns bedeutet, dass wir uns zwingend in einer der syrischen Vertretungen in der Türkei um ein Visum hätten bemühen müssen, also in Istanbul, Ankara oder Gaziantep. Keiner dieser Orte ist näher als eine Tagesreise und zwei Tankfüllungen von unserer derzeitigen Position entfernt.

Wir schlagen unabgesprochen eine Doppelstrategie ein, während Gudrun dem Zöllner, der eigentlich wirklich wie ein netter Onkel aussieht (mich erinnert er auch an einen amerikanischen Komiker, aber ich weiss nicht an wen genau), versucht zu erklären, dass wir durchaus das syrische Konsulat in Istanbul um ein Visum ersucht haben, man uns dort aber bedeutet hat, dass wir dieses an der Grenze erhielten (eine sehr optimistische Auslegung des Wortes "maybe", das uns dort entgegengelächelt wurde), versuche ich beharrlich zu bleiben, und monologisiere die Tatsache, dass Freunde von uns letzte Woche ebenfalls visumslos den Grenzübertritt bewältigt haben.

Obwohl meine Argumentation der Wahrheit entspricht, scheint es mir, dass Gudruns Worte "Istanbul embassy said we get visum at the border" mehr Durchschlagskraft besitzen. Der nette Onkel, immer noch bemüht offiziell, murmelt etwas von strikten Regeln aus Damaskus und lenkt unseren Blick auf die grosse Tafel an der Wand hinter uns, die die syrischen Einreiseregeln in arabisch und englisch auflistet. Neben der grundsätzlichen vorab-Visumsanforderung für alle Staatsbürger, die über eine syrische Vertretung in ihrem Heimatland verfügen, wird dort erklärt, dass man das Fahrzeug mit dem man einreist auch wieder zur Ausreise zu benutzen hat, dass Grenzvisa maximal 15 Tage gelten, und neben einer Ausreisegebühr von 550 syrischen Pfund - 12 Dollar - wird Mann auch auf die Tatsache hingewiesen, dass die Ehefrau die nach Syrien eingeführt wird, ebenfalls wieder ausgeführt werden muss. Da bin ich aber froh, in den nächsten zwei Wochen kann mir mein Frauchen also nicht abhanden kommen - insofern wir reingelassen werden.

Der nette Onkel zeigt immernoch sein Zahnschmerzgesicht, aber dann zückt er sein Mobiltelefon und beginnt ein arabisches Gespräch mit einem uns unbekannten, vielleicht auch nicht vorhandenen Gesprächspartner. Kurz darauf bedeutet er uns auf einem der Sessel an der Längswand, die teilweise noch in ihre Schutzfolie eingeschlagen sind, Platz zu nehmen. Wir bekommen ein besseres Gefühl. Kurz darauf sind wir erleichtert, denn Onkelchen zeigt auf die dritte Zeile einer arabischen Preisliste, und wir verstehen, dass ein 15-Tage-Visum für uns heute für 32 US-Dollar pro Nase angeboten wird. Super, billiger hätten wir es in Deutschland wahrscheinlich auch nicht bekommen.

Daraufhin müssen wir 64 Dollar in der Bankfilialie gegenüber einzahlen, und mit den Belegen zurückkommen. Leider haben wir uns nicht getraut, bzw. nicht dran gedacht, in der "Bank" ein Foto zu machen, es war eine kleine Zelle mit einem offenen Safe aus dem 19. Jahrhundert, in dem einige Dollar- und Pfundnoten lagerten, ein weiterer netter Onkel, der offensichtlich auch mal ein Nickerchen in der Zelle macht, denn es stand auch ein Bett darin.

Immerhin verfügt der Onkel über einen Computer inklusive Nadeldrucker und so ist der Einzahlvorgang nach 10 Minuten erfolgreich abgeschlossen. Wir tapern zurück ins Immigration Center und erhalten die ersten Stempel in unsere Pässe. Nun dürfen wir die blauen Einreisekarten ausfüllen. Wir sind zu- aber noch nicht eingelassen, dürfen aber die beiden Eumels bis zur nächsten Schranke vorfahren.

Dort wartet ein gutgelaunter junger Mann auf uns, der zwar keinerlei Uniform trägt, aber anscheinend für alle weiteren Zollformalitäten zuständig ist. Er wird für die nächsten eineinhalb Stunden unser exclusiver Übertrittsmanager.

Zunächst erfolgen Aufklärungsgespräche bezüglich der zu erwartenden Kosten, und die Empfehlung vom 15-Tage-Visum höchstens 14 im Land zu bleiben, da die horrende Dieselsteuer pro Woche veranschlagt wird. Nach dem netten Beisammensein mit dem jungen Mann wissen wir, dass wir nun ein paar hundert Dollar loswerden. Es geht zur Bank, wobei wir auf dem Weg nochmals vom Gehilfen des ersten Onkels abgefangen werden, da vergessen wurde den Nebeneumel ebenfalls in den Pass einzutragen. Das wird im Stehen nachgeholt.

Beim Bankonkel werden nun vier Zahlungsvorgänge abgewickelt, zuerst wird ein Gesamtpreis (Steuen und Versicherungen für beide Fahrzeuge) von 375 Dollar angeboten, worauf der junge Mann den Bankonkel mit Schrecken auf einen Fehler? hinweist, und der Betrag lächelnd auf 575 Dollar erhöht wird. Grinsend erklärt er uns, die 375 Dollar wären "good for you, but bad for me". Was immer das heißen mag. Die vier Einzahlbelege werden wir nie zu Gesicht bekommen, da ist der junge Mann geübt drin.

Damit aber nicht genug, nun geht es in einen anderen Verschlag und ein dritter Onkel wird aus seinem Fernsehzimmer geholt. Es heisst die Versicherungsbelege zu erstellen und auszudrucken. Ein Vorgang der durchaus wieder eine halbe Stunde vernichtet. Der junge, freundliche Zollmanager erklärt uns das dieser Onkel neu in seinem Job ist, und geht ihm auch bei der Computerarbeit gerne zur Hand.

Schöne arabische Formulare werden gegen amerikanische Dollars auf brandneuer HP-Hardware ausgedruckt und wir denken ein wenig an die syrische Aversion gegenüber amerikanischen Staatsbürgern. Wir sind nun hoffnungsvoll, das Prozedere überstanden zu haben. Nicht ganz. Es ist nun die Aufgabe des jungen Mannes die Inhalte aller acht Zettel, die sich in seinen Händen angesammelt haben, handschriftlich in grosse Kladden zu übertragen, wobei wir auch noch mehrfach unsere Namen und Adresse nennen müssen, ins Arabische übertragen sieht das ganz lustig aus. Der manuelle Prozess findet selbstverständlich im eigentlichen Zollhäuschen statt, in einem noch kargeren Verschlag mit einem Tisch, einem Stuhl und einem Stahlrohrbett. Wir dürfen auf dem Bett sitzen, das bedenklich ächzt.
Während so die Zeit vergeht, erscheinen diverse andere Grenzüberschreiter aus allen möglichen arabischen Ländern, die ebenfalls dicke Kladden mit sich führen, Carnets de Passages für die Fahrzeuge und so, diese Leute zahlen kleine Beträge, die ein zweiter Zöllner jeweils zwischen zwei Migräneanfällen in eine Schublade fallen lässt.

Den kleinen Betrag müssen wir dann endlich auch noch zahlen, circa 10 Dollar für die Stempelarbeit in den Kladden. Mit einem Lächeln heftet unser Exclusivbeamter unseren Packen zusammen und wir sind nun wirklich abgewickelt. Wir dürfen zur dritten Schranke fahren, wo der Haupteumel noch einer sporadischen Innenbesichtigung unterzogen wird, drei Schubladen werden geöffnet, ein kurzer Blick unter die nassen Feudel im Spülbecken, keine weiteren Fragen, welcome to Syria. Die letzte Schranke öffnet sich. Es wird dunkel.

Als erstes füllen wir unseren leeren Tank auf, und holen uns den ersten Teilbetrag der Dieselsteuer wieder zurück, rund 20 Euro für 65 Liter Diesel, das ist ja mal was. Wir können also fahren, fahren, fahren, schade das Syrien garnicht so gross ist. An der Tankstelle werden wir dann nochmal von einem Grenzbeamten heimgesucht, der aber in der falschen Annahme ist, der Nebeneumel wäre passmaessig vergessen worden, wir zeigen ihm den hingekritzelten Eintrag und er ist zufrieden. Jetzt geht es erstmal küstennah nach Lattakia, und dann weiter nach Al-Haffeh, zu unserem ersten Kulturstopp, der Saladinsburg (Burginfo hier).

Lattakia ist eine ganz schön muntere Stadt, verkehrsmässig problemlos, da breit gebaut, und die Beschilderung in Englisch ist auf den Hauptstrecken eigentlich ganz ok. 

Lattakia Traffic

Als wir danach im Dustern über Nebenstrassen eumeln, müssen wir doch ein paar Mal fragen, und dann kommen wir der Burg näher, aber die Strasse wird abenteuerlich. In steilen, engen Kehren geht es nach der letzten Siedlung abwärts, uns gegenüber liegt nur ein dunkles Nichts, wahrscheinlich die Burg. Wir erreichen die Talsohle und vor uns führt ein Brückchen über einen kleinen Canyon. Stopp. Situationscheck.

Ein Auto, ein kleines Taxi, kommt von der anderen Seite hinunter. Der Fahrer hält und spricht auch ein paar Brocken Englisch. Der weitere Weg wäre nichts für uns, und er empfiehlt uns zu drehen, und oben neben dem Hotel zu campieren. Ist uns eigentlich ganz recht, und er hilft uns beim engen Wendemanöver vor der Brücke und geleitet uns dann wieder den Berg hinauf zum Hotel, wahrscheinlich das mit Burgblick, hatte ich in Fergis Syrien/Libanon Reiseführer gelesen. Für uns Ungeübte und des Arabischen unmächtige sind Hotels und Restaurants nicht immer einfach zu identifizieren, da selbst an grösseren Sehenswürdigkeiten keine wirkliche Ausrichtung auf europäische Touristen spürbar ist, das Gros stellen wohl wohlhabende Reisende aus anderen arabischen Ländern, wie uns später der Hotelmanager erklärt.

Wir kommen also am Hotel "Sal Addin" an, und bekommen Stellplatz, Dusche und Frühstück für 15 Euro angeboten. Tamam. Wir sind happy, essen noch was aus den Vorräten, trinken eine halbe Flasche Restrotwein und schlafen lang und gut, weil früh. Am nächsten Morgen stehen wir um sechs Uhr auf, aber nur weil wir dachten es wäre sieben, und wir uns um acht zum Duschen angemeldet hatten. So schaut der Hotelmanager etwas verdutzt, aber die Frühstückstische sind auch schon gedeckt, und da die Tage noch immer nicht lang sind, ist es gut früh anzufangen. Wir lassen uns mit allem Zeit und nach dem ersten syrischen Frühstück (kein Grund für Jubelarien) marschieren wir bei kühlen Temperaturen aber Sonnenschein den Canyon wieder runter, diesmal die imposante Saladinsburg im Blick.

Qal'at Salah ed-Din
Es zeigt sich, dass der Besuch lohnt, denn das Bauwerk ist wirklich sehenswert, ein in knapp hundert Jahren handgeschlagener, rund fünfzig Meter hoher Felsgraben trennt Burg und ehemals byzantinisches Dorf, so war die Burg bei eingefahrener Zugbrücke uneinnehmbar.

Ziemlich hohle Gasse
Auch das Innere der Burg ist toll, und dank der doppelten Ausschilderung lernen wir heute morgen auch gleich die arabischen Ziffern. Wir teilen uns die Burg heute morgen mit drei, vier japanisch-italienischen Touristinnen und es ist ein herrlich sonniger und entspannter Tag.
Arabisch für Anfänger
Beim Verlassen der Burg bekommen wir vom freundlichen Personal noch einen Tee angeboten und aus Faulheit nehmen wir für den Rückweg ein Taxi, wie erwartet werden wir nach kurzem Fussweg aufgesammelt.


Nochmal Burg und eins...



...von der Eintrittspreisverhandlung mit den Burgältesten

Da es erst Mittag ist, beschliessen wir heute noch eins dranzuhängen, was sich später als Fehler erweist, denn zweimal alte Steine an einem Tag ist einmal zu viel. Zum zweitenmal donnern wir durch Lattakia um im nördlichen Strandbereich (hier im Volksmund "Cote d'Azur" genannt) den Weg zur uralten Stätte von Ugarit (hier werden Sie auf Wunsch weitergebildet) zu finden, wo unter anderem bereits die Hetither hausten.
Grosse Worte werden hier...

...gelassen ausgesprochen
Dem Alter von über 3000 Jahren entsprechend ist der Zustand der Bauwerke. Wir sehen Fundamente von Königspalast und Baal-Tempel, Wohnhäuser mit persönlichen Gruften und ein Abwassersystem. Auch hier spazieren wir fast allein durch die Stätte.

Staunenswertes in Ugarit
Und wie gesagt, bei Übertreibung bekommt man leicht eine Überdosis "Staahuufe", wie der Südschwarzwälder sagt. Diese Überdosis kuriert man am Besten mit urbanem Puls, also geben wir uns nun Lattakia die Dritte, nochmal Nord-Süd, zur Rush-Hour, und das am Tag vor dem Freitag, dem muslimischen Wochenende...

Da es schon dämmert wollen wir nicht mehr weit fahren, und finden mit Jableh ein Küstenstädtchen mit annehmbarer Promenade und einem römischen Theater, umgarnt von einem kleinen Suq (Basar), Fischmarkt und authentischen Backstuben. Wir suchen uns ein paar leckere Teilchen aus, und staunen ganz schön als man kein Geld will, aber die vielköpfige Belegschaft gerne aufzählt welche Bundesliga-Vereine sie kennt, z.B. Borussia Dortmund, akzentfrei ausgesprochen.

Am südlichen Ende der Promenade ist ein grosser Parkplatz, es ist ruhig, und wir vertilgen die ebenfalls erworbenen syrischen Pide-Pizzen mit Lammhack und Petersilie, die mussten wir bezahlen, vier Stück für gut einen Euro, bevor Gudrun ziemlich früh die Äuglein schliesst, und ich wegen anschwellendem Aussenlärm inklusive einem Hochzeitskonvoi doch länger als gedacht den Herrn Grass beim Zwiebelhäuten begleite, dachte das macht mich schneller müde.

Dann ist es kurz vor vier und es hämmert an unsere Tür. Wir sind ziemlich schläfrig und vermuten erstmal, dass jemand ein Problem mit unserem Standplatz hat, oder die Polizei sich mal die lustigen Vögel aus Deutschland ansehen will. Aber es ist etwas ernster, drei Syrer stehen vor dem Mobil und gestikulieren und reden auf Arabisch auf uns ein. Ich soll raus kommen, und das Wort "Moto" verstehe ich im Redeschwall, irgendwas mit dem Nebeneumel. Ich springe barfuss raus und laufe nach hinten, dann wird langsam klar, dass die Jungs vier andere Typen beobachtet haben, die tatsächlich während wir schlafen das Motorrad klauen wollten. Zum Glück sind sie nicht weit gekommen, und ich muss nur die Gurte neu befestigen. Schwein gehabt! Wir laden unsere Helden zum Gutenacht-Tee mit Keksen ein, sie wollen dann noch mit uns zu Hause Alkohol trinken gehen, wie bitte?, aber das lehnen wir dann doch lieber ab.

In Jableh hält uns jetzt nichts mehr und wir machen uns im Dustern auf die Socken, Richtung Süden, den Krak des Chevaliers, eine der Hauptsehenswürdigkeiten Syriens. Auf der gut befahrbaren Autobahn zwischen Lattakia und Damaskus zockeln wir ganz langsam und gemütlich dem Sonnenaufgang entgegen, bauen unseren Schreck ab und erreichen den Krak bei Kälte und Regen morgens um halb acht.

Dorf am Krak
Hier ist es wirklich ruhig und wir holen auf einem Riesenparkplatz oberhalb der Burg erstmal drei Stunden Schlaf nach, machen uns 'nen leckeren VIP löslich, und dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Computer Yok

...das bedeutet, "Computer is nich", und da es sich dabei um das türkische Grenzsystem handelt, sind wir erstmal in einer Warteschleife vor der syrischen Grenze. Wır schleifen uns also von Tee zu Tee, weil es so schoen heisst "Abwarten, und..."

Donnerstag, 27. Januar 2011

Stille Tage im Hatay

So schön wie es ist, mit vielen netten Menschen zusammen zu sein, so schön ist es wieder eine Auszeit zu nehmen, Tage und Nächte vergehen und Gedanken fliessen zu lassen, die Erlebnisse verarbeiten, sich selbst Fragen zu stellen, auf die es keine vollständigen, direkten Antworten gibt - der Luxus des Langreisens...

Und schon wieder ein guter Morgen
Der (die? das?) Hatay ist der Zipfel der Türkei, welcher so ein Stück nach Syrien reinfingert, und das Ganze ist auch schon etwas arabisch geprägt und erst seit Atatürk auch wieder Teil der Türkei.

Der Titel steht natürlich unter Henry Millers Einfluss (ich arbeite mich dank Tanja's Reisebibliothek und Büchertausch nach Nexus und Wendekreis des Krebses durch den Steinbock), aber unsere stillen Tage entsprechen dem Namen, im Gegensatz zu dessen Zeit in Clichy. Erstaunlich wie nah die Gedanken beieinander liegen, ob 80 Jahre nach Miller's Wendekreisen, 60 Jahre nach Kerouac's Unterwegs, 40 Jahre nach Bukowskis Trampgeschichten, gut 20 Jahre nach meinen eigenen (im Rückblick viel zu seltenen) Interrailzeiten, die Flucht aus der Heimat, das Verlassen des Bekannten ist auch die Suche nach der etwas anderen Welt. Aber es gibt doch nur Eine, zumindest im Kontext dessen was wir als Realität bezeichnen. Zum Glück wechselt das Dekor, die Nuancen, die Melodien...

Handmade by Fergi
Unsere Realität: Der Genuss des heissen Freiluftduschens bei strömendem Regen, das mittlerweile vollständige Nichtvermissen etwaiger luxuriöser Standards, die Gemütlichkeit der abendlichen Holzöfen und Holzfeuer...

...und auch mal 'n Gasherd für Kaiserschmarrn!
...angenehme Gespräche oft auch ohne oder sehr wenig gemeinsame Sprache, unser Morgenmüsli aus allem was die Basare der letzten Wochen hergegeben haben (ok, und auch was aus der Tüte von Bim und Sok, Aldi und Lidl à la Turk), der Fisch direkt vom Fischmarkt auf den Grill...jeder macht was, meistens für alle die grade da sind, und das sind im Moment Fergi, sein Kumpel Adnan, seine Freundin Svetlana aus St. Petersburg, Boxer-Bax und Irgendwas-(Schönes)-Nina, die aus Paarungszwecken temporär mit dazu gehört, und wir.

Ein Tagesausflug nach Iskenderun, eine geschäftige, tourismusfreie Stadt am Meer, wieder schöne Märkte, Spitzengemüse (Obst haben wir ja selber), säuberlich in grossen Blättern zusammengelegter Spinat, Riesenradieschen, Paprika in allen Formen, Farben und Geniessbarkeiten, Esskastanien der höchsten Güte - die in Köln habe ich nie gemocht, und natürlich die Hatay'sche Spezialität Peynirli Künefe, die wahrscheinlich beste nicht-ganz-so-süsse Süsspeise der Welt. Und Tee, Tee, Tee. Tee trinken und in-die-Welt schauen, die Türkei hat mittlerweile alle Fremdartigkeit verloren, und es ist mit Abstand das menschenoffenste und interessanteste Reiseland, das wir kennen..., wenn man nicht grade nach Kusadasi, Bodrum, Side oder Kemer fährt, Fethye soll mittlerweile auch ganz schön gelitten haben.

Mmmh, hört sich an als würden wir immerzu essen, stimmt auch irgendwie, aber die Esskultur ist dedizierter hier, öfter weniger und möglichst wenig Schnickschnack drumrum. Butter? Teuer. Sahne? Unbekannt. Saucen? Wenn, dann Joghurt. Industriezucker? Im Tee vielleicht. Cola/Fanta? Trinkt kein Mensch. Und wer unbedingt dick werden will, geht zum Baklava-Shop, aber das Zeug kriegen wir beim besten Willen nicht runter. Weg vom Futtern, kommen wir zum Wetter. Unser Projekt "Überwinterung" scheint gut zu gelingen, die Tage werden länger und temperaturell liegen wir in den letzten Wochen konstant bei um die 8-10 Grad nachts und 15-20 Grad tags, da will man nicht meckern.

In den letzten zwei Tagen mussten wir mal wieder einen kleinen Regeneinbruch aussitzen, also summieren sich die Regentage in den letzten zwei Monaten auf circa fünf. Auch das geht, und wie gesagt, das Duscherlebnis!

Weniger ist machmal mehr...
Fakten haben wir mittlerweile auch gesammelt, wir wissen dass Haupt- und Nebeneumel längstens bis zum 21. Mai 2011 in der Türkei geduldet sind (wir übrigens auch), das heisst wir müssen uns langsam auf den Weg nach Syrien und Jordanien machen, da die Rückreiseroute aufgrund bürokratischem Overkill bzgl. Haupteumel in Ägypten und Tunesienzoff höchstwahrscheinlich wieder durch dieses wunderbare Land führt - uns fehlen noch mindestens die Inlandziele Nehmrut Dagi und Kappadokien sowie ein wenig Kurdistan und auch mal Schwarzmeer nach soviel Mittel.

Vielleicht reitet uns ja noch der Teufel und wir eumeln durch Saudi nach Oman um uns nach Indien verschiffen zu lassen, wer weiß? Jetzt kommt erstmal Syrien, laut dem deutschlandweit bekannten Comedian Bernhard Hoecker (mit zwei Punkten auf dem e) und seinem literarischen Meisterwerk Meilenweit für (k)ein Kamel die erste Grenze auf dem Weg in den Orient, die nicht als "Spaßgrenze" gilt, unsere Freunde Carla & David haben insgesamt 3 Stunden geharrt und 500 Dollar gelatzt für Visum, Dieselsteuer usw., naja dafür ist der Sprit dann billig. Tanja & Domi sind auch schon drüben, allerdings ohne Auto, wegen auf Daddy zugelassen, Brandon wurde als Amerikaner erstmal gar nicht eingelassen, ich sag' ja (oder zitier' ja): keine Spaßgrenze! Mal sehen was der Syrer so mit uns veranstaltet.

Jetzt muss noch alles trocknen und eine kleine Haupteumel-Reorganisation durchgeführt werden. Ach ja, der Canyon aus dem letzten Blog heisst natürlich Köprülü, und sonst? Alles klar, oder?

Schach? 48:44

Fernschach? 1:0 für Helmuth, noch 0:0 zwischen Özgür und Gudrun

Schäden? Oh, der arme Nebeneumel... 2 Blinker ab, Lenker leicht verbogen, Starter launen- und witterungsabhängig... Zwei PC's ausgeknockt, Extern-Bildschirm kaputt, Sch...Elektronik.

Montag, 24. Januar 2011

Eastbound

In den letzten Wochen sind wir hauptsächlich als Strandnomaden durchs Land getingelt. Der Eumel hat ja jetzt einen grossen Bruder, der ihn mittlerweile auch schon dreimal aus dem Sand gezogen hat.

Eumel-Retter
Nachdem wir Tanja & Dominik und ihre neuen Freunde Andrea & Brandon, ein rumänisch-amerikanisches Paar, in der Nähe von Adana wieder "aufgesammelt" haben, ist die Gruppe jetzt fussballmannschaftsstark.

We're a happy family!
Nur Samuel wollte partout nicht mit aufs Bild, aber mit ein wenig Gewalt geht das schon...

Gotcha!
Witterungsbedingt haben wir uns hauptsächlich an der Mittelmeerküste aufgehalten, mit einem Abstecher in den schönen Körüglü-Canyon, ein Wildwassser- und Forellenparadies östlich von Antalya.
Antalya's Hinterland
Körüglü Canyon
Um zum nächsten Paradies zu kommen, mussten wir dann ganz schön weit fahren, da die ganze Küstenlinie östlich von Antalya erstmal grausam mit Hotelburgen vollgepflastert ist.
Wir machen einen kurzen Halt in Side, wo die beeinduckenden Ruinen nahtlos in eine "Altstadt" aus Touristennepp übergehen.

Entering Side
Neben den üblichen "Döner macht schöner"-Buden, gibt es in Side auch einschlägige Spezialitäten...

Jaja...
...und das kommt dann davon
Am Abend haben wir mitten in den Ruinen von Anemurion (Anamur) gecampt, und sind am nächsten Morgen noch ein bisschen in dem dortigen Kastell rumgeklettert.

Sechsunddreissig Türme!
Dann kommen die Hochhausgürtel der Grosstädte Mersin und Adana, danach ein Industriezusammenschmiss mit Raffinerien und Fabriken am östlichen Mittelmeerzipfel vor Iskenderun...und dann 30km weiter bis Arsuz, das erste nette Dörfchen seit langem und nochmal 10km bis nach Konacik, und hallo, was ist das?

A Place To Be
Fergini, ein holländischer Türke bzw. türkischer Holländer, der natürlich auch fliessend Deutsch spricht, erfüllt sich hier seinen Traum, und wirklich traumhaft ist auch sein kleiner Orient-Camping, mit grossem Holztisch und Küche für alle, Heisswasserduschen!, Waschmaschine und Internet, alles in einem 1,5 ha grossen Garten aus Orangen-, Zitronen-, Mandarinen-, Bananen-, Granatäpfel und Feigenbäumen.

Hier stehen wir erstmal gut
Es wird viel gegrillt, zusammen gefrühstückt und gekocht, Lagerfeuer jeden Abend, Spiel, Sport und Spass, aber auch gute Gespräche über den Sinn des Reisens, des Lebens, und alles was sonst noch wichtig ist. Zum Beispiel Haareschneiden. 

Open Air Hairdressing
Tagsüber machen wir uns auch mal ein bisschen nützlich...

Gudrun arbeitet an ihrem grünen Daumen...
...Brandon heckt was aus...
...David, Domi & Raphael säen was...

...und Andrea ist voll Banane
Einen neuen Freund haben wir hier auch gefunden.

Scare this... Bax!
Gestern hiess es dann Good-bye bzw. Au Revoir, als nach der jungen Fraktion auch die Ducass´sche Grossfamilie Richtung Syrien aufgebrochen ist. Gudrun und ich machen uns noch ein paar entspannte Tage im Fergini-Garten und wollen noch per Dolmus Antakya besuchen, bevor wir uns dann auch so richtig an den Orient wagen...

Dienstag, 11. Januar 2011

Goodbye Cirali

Jetzt haben wir lange nichts mehr von uns hören lassen, was auch daran liegt das uns der Aufenthalt in Cirali mächtig Spass gemacht hat, so dass wir an vielen Tagen auch das Fotografieren vergessen haben. Hinter uns liegt eine Zeit mit vielen neuen Freunden - Touristen, Traveller (ja, das ist ein Unterschied) und Einheimische, und ordentlich Einblick in das Leben der Familien hier, diese Chance hat man eigentlich nur im Winter wenn der Tourismus auf Minimalniveau runtergefahren ist, und alle viel Zeit haben...

Gudrun, die hier der Einfachheit halber in Aise umgetauft wurde, hat Unterricht in türkischen Volkstänzen bekommen.

Büsra & Aise, hihi
 Viele gechillte Abende haben wir an den verschiedenen offenen Feuern verbracht, die uns in den Häusern, vor dem Caravan oder am Strand gewärmt haben. Die Tage waren herrlich, viel Sonne und richtig warm.

Achja, und es wurde geangelt - nochmal danke an alle lieben alten Kollegen, die mich so gut ausgestattet haben!
Beweisbild
...aber leider habe ich noch nichts gefangen, der Fisch da ging David an die Angel, der mit Carla und den Kindern Rafael, Samuel und Johanna schon seit einem Jahr durch die Lande reist, und für die nächsten Etappen bilden wir jetzt einen kleinen Convoy Richtung Syrien.

ein Fisch, viele Leute...

...und Carla mit Johanna
Dann sind wir wieder lykische Wege gegangen und lustige Tage in einsamen Buchten verbracht, wo Apo und seine Jungs ein Camp mit Hühnerstall usw. eingerichtet haben (und ja klar, es gab wieder Oilcan-Chicken!)

Baywatch
Chicken-Time, again!
Ein gutgelauntes Goodbye an Mehmet, Erdal, Adile, Büsra, Sevge, Ali, Mustafa "Aki", Ayhan "the Chef", Apo "the Captain", Errol, Tayfun ("gute Besserung, Alter"), Sirri und all die anderen Ciralisten, und Susi & Phillip aus dem guten, (k)alten Berlin!

Cirali made us happy!
Aber da alles ausser der Wurst ein Ende hat, satteln wir heute den Haupteumel, der nach 7000km den ersten Liter Öl verlangt hat (Guido wollte sowas glaub' ich wissen, er sagt unser Blog enthält zuwenig Zahlenmaterial).

Mal sehen, was jetzt kommt...